Aus Freude am Helfen!

Der Urvater der Wasserwacht im Landkreis Erding Josef Seibold

Aus heutiger Sicht ist nicht mehr nachvollziehbar, ob es 1949 bereits unser heutiger Wahlspruch war, welcher Josef Seibold und die Kameraden Horst Kassalitzky, Fritz Bayer, Rudi Bloch, Horst Meißner, Rudolf Mäusl, Hermann Schopper, Max Irl und Rudolf Marschall bewegte, die Wasserwacht in der Stadt Erding und im Landkreis Erding zu gründen.

Nachvollziehbar, wenn auch nur mehr lückenhaft, ist die Entwicklung, die erfolgreiche Arbeit und die Anstrengungen, die von allen Kameradinnen und Kameraden erbracht wurden und werden.

Im Folgenden wollen wir Ihnen die 50-jährige Geschichte der Wasserwacht Ortsgruppe Erding an markanten Meilensteinen und Ereignissen näher bringen.

Doch wir wollen ganz am Anfang beginnen.

Im Jahre 1946 wurde Josef Seibold vom damaligen Bezirksleiter Kurt Kroh beauftragt und als Abteilungsleiter eingesetzt, um im Landkreis Erding die Wasserwacht aufzubauen.

Trotz großer Anstrengungen, welche Josef Seibold in den folgenden Jahren unternahm, dauerte es cirka drei Jahre, bis sich um ihn eine ausreichend schlagkräftige Mannschaft gefunden hatte, welche als Ortsgruppe selbständig und handlungsfähig war.

Ab 1949 betreute die frisch gegründete Ortsgruppe das Freibad am Stadtpark in Erding mit Wassertemperaturen zwischen 11° und 17° C, sowie ab dem Jahre 1953 den Notzinger Weiher, welcher seinerzeit der beliebteste Badeweiher im ganzen Landkreis war.

Nur ausgerüstet mit dem Nötigsten wie Pflaster und Verbandsmaterial aus alten Armeebeständen, dafür mit um so mehr Idealismus und Tatendrang, war es selbstverständlich, für die Aktiven die Strecke zwischen Erding und Notzing mit dem Fahrrad zurückzulegen, um dort den Wachdienst zu versehen.

Später wurde auch das Schwimmbrett, welches Anfang der 50er Jahre in den Besitz der Ortsgruppe gekommen war, immer mitgenommen.

Eingelagert war es bei Mausi Klostermair in Aufkirchen, bei welcher die Aktiven jedesmal gerne einen Zwischenstopp einlegten.

Transportiert wurde das Schwimmbrett auf denkbar einfache Weise. Vorne und hinten unter den Arm eines Wasserwachtlers geklemmt und los ging die Fahrradfahrt. Horst Meißner erinnert sich noch heute an eine Brandwunde, die er sich zuzog, als er mit dem Oberschenkel am Fahrradreifen bremste, um einen kapitalen Sturz und eine Beschädigung des wertvollen Rettungsbrettes zu vermeiden.

Ebenso war es selbstverständlich, dass die Sitzungen und Versammlungen der jungen Ortsgruppe in der Wohnküche des ersten Abteilungs- und Ortsgruppenleiters Josef Seibold abgehalten wurden. Dort war es wohl auch, als Josef Seibold 1952 sein Amt als Ortsgruppenleiter an Horst Kassalitzky weitergeben konnte.

Ohne die Führungseigenschaften und Erfolge von Horst Kassalitzky schmälern zu wollen, darf hier doch bekannt gegeben werden, dass damals nur er gewählt werden konnte. Horst Kassalitzky war am Tage der Wahl der einzige Youngster, welcher die Volljährigkeit erreicht hatte und somit das passive Wahlrecht besaß.

Die Anfangsjahre vergingen und die Wasserwacht war erfolgreich in der Breitenausbildung und im Naturschutz tätig. Es wurde die Bevölkerung im Schwimmen und Rettungsschwimmen ausgebildet und die genannten Badegewässer wurden betreut. Im März 1955 wurde bei den Neuwahlen Rudolf Mäusl zum Nachfolger von Horst Kassalitzky gewählt.

Die komplette Führungsmannschaft setzte sich wie folgt zusammen:

Ortsgruppenleiter: Rudolf Mäusl
stellv. OG-Leiter: Lothar Heindl
Technischer Leiter: Fritz Sylvester
Gerätewart: Fritz Bayer
Kassier und Schriftführer: Rudi Marschall
Frauenwartin: Eleonore Plieninger

So beschaulich die Arbeit der Ortsgruppe bisher war, im Sommer 1955 sollte sich das alles ändern. Alarm in Gaden, als ein Hochwasser der Isar drohte, die dortigen Dämme zu durchbrechen. Aktive der Wasserwacht, in Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen, verhinderten das Schlimmste.

Im August 1955 kam es dann zu dramatischen Situationen. Am 1. August kenterte auf der Sempt im Erdinger Stadtpark ein Ausflugskahn mit fünf Personen an Bord.

Sofort herbeigeeilte Helfer konnten vier Menschenleben retten, jedoch kam für ein 16-jähriges Mädchen jede Hilfe zu spät. Sie konnte erst drei Stunden später durch Kameraden der Wasserwacht geborgen werden.

Fritz Bayer hält Ausschau, Wache in Notzing 1955

Bemerkenswert ist, dass bereits seinerzeit der letzte Absatz des Zeitungsartikels im Erdinger Anzeiger dem undisziplinierten Verhalten der Schaulustigen gewidmet war.

Während der Wahlperiode wurde Horst Meißner 1956 zum technischen Leiter gewählt.

Ferner begann in diesem Jahr die Motorisierung der Wasserwacht. Erstmalig konnte man einen alten Horch Sanka sein Eigen nennen.

Damit die Nutzbarkeit für den Wasserrettungsdienst noch erhöht wurde und man das bereits früher erworbene Schlauchboot zweckmäßig transportieren konnte, baute man eine Schlauchboothalterung auf das Dach des Fahrzeuges.

Wachbetrieb in Notzing 1956 mit dem ersten Wasserwacht-Fahrzeug. Horst Meißner, Josef Loibl, Rudi Baumann, Peter Völkl und Kamerad Schmidt sorgen für die Sicherheit der Badegäste

Mit diesem Fahrzeug konnten 1956 drei untergegangene Schwimmer nach erfolgter Rettung aus dem Notzinger Weiher ins Erdinger Krankenhaus gebracht werden.

Eine dieser Personen verstarb trotz erfolgreich durchgeführter Wiederbelebung, später im Krankenhaus.

 170-er Mercedes im Hof des alten BRK-Heims in Erding in der Dorfener Straße

1957 konnte als Ersatz für den alten Horch Sanka ein 170-er Mercedes in Dienst gestellt werden. Außerdem wurde das erste Preßluftatemgerät bei der Erdinger Wasserwacht angeschafft und bei einer Vorführung im städtischen Schwimmbad der staunenden Öffentlichkeit vorgestellt. 1958 wurden wieder Neuwahlen durchgeführt. Dabei ergab sich folgende Führungsmannschaft:

Ortsgruppenleiter: Rudolf Mäusl
stellv. OG-Leiter: Rudi Marschall
Technischer Leiter: Oskar Kindler
Kassenwart: Franz Buchner
Schriftführer: Georg Blaczejewski
Gerätewart: Rudolf Baumann

Damit die neuen Tauchgeräte auch sicher und Erfolg bringend eingesetzt werden konnten, wurde im Juni der erste Tauchlehrgang im Landreis Erding durchgeführt.

Neben der auch seinerzeit unumgänglichen Theorie wurde im Notzinger Weiher fleißig geübt. Bemerkenswert ist, dass damals die Ausrüstung sehr spartanisch war.

 Tauchlehrgang in Notzing im Juni 1958 unten von links: Ernst Hüttinger, Max Irl , Josef Loibl, Sieggi Appler, Manfred Buchner und Erwin Röhrl; oben von links: Peter Wörndle, Josef Seibold, Karl Wachter, Ernst Grüner (Ausbilder) Rudi Baumann, Unbekannt und Rudolf Mäusl

Man stürzte sich nur mit Badehose und Preßluftatmer bekleidet in die mehr oder weniger kalten Fluten. Trotz der nun beginnenden Technisierung der Wasserwacht konnte man es nicht verhindern, dass der Notzinger Weiher im August 1958 ein weiteres Menschenleben forderte.

Ein 14-jähriger war bei dem Versuch, quer durch den Weiher zu tauchen, mit Kreislaufversagen untergegangen.

Obwohl die Wasserwacht und viele anwesende Badegäste, darunter auch amerikanische Soldaten, eine groß angelegte Suchaktion starteten, konnte der Tote erst am darauffolgenden Tag gegen Abend gefunden werden.

Die Wasserwacht und alle beteiligten Helferinnen und Helfer wurden, trotz der schrecklichen Situation, für ihren vorbildlichen Einsatz mit viel Lob bedacht.

1959 forcierte die Ortsgruppe ihre Öffentlichkeitsarbeit. Um weitere Mitglieder zu werben, welche sich ebenfalls im Dienste der Menschlichkeit engagieren wollten, organisierte man an einem Sonntag eine Werbeveranstaltung im alten Freibad.

Prompt kam es zu Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Pfarrer, welcher wegen der großen Zahl der Zuschauer den Gottesdienstbesuch in Gefahr sah. Im Juli 1959 ertranken kurz hintereinander im Thenner Weiher drei Personen und die Zeitungen schrieben damals etwas reißerisch vom Todesloch im Thenner See.

Aufgrund des Presseechos und auf Drängen verschiedener Ämter übernahm die Ortsgruppe Erding die Bewachung des Thenner Weihers. Allerdings entstand kurze Zeit darauf eine DLRG-Gruppe, so dass die Betreuung im zweiten darauffolgenden Jahr an diese übergeben werden konnte. 1961 wurde Rudolf Marschall zum Nachfolger von Rudolf Mäusl gewählt.

Trotz vielfältigen Engagements der Vorstandschaft geschah in den folgenden Jahren etwas Sonderbares. Die so aktive und gedeihende Ortsgruppe fiel in einen Dornröschenschlaf. Woran es nun genau gelegen hat, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen.

Erst durch Neuwahlen mit Rudolf Baumann als neuen Leiter kehrte 1964 der alte Schwung in den Kreis der Helfer zurück.

OG-Leiter und Schriftführer: Rudolf Baumann
stellv. OG-Leiter: Rudi Marschall
Technischer Leiter: Walter Rauscher
Gerätewart: Karl Metz

So berichten Zeitzeugen, dass besonders der neue Gerätewart ein strenges Regiment führte, was aber die Ortsgruppe wieder auf Vordermann brachte.

Leider sind aus den Jahren 1965 bis 1967 nur wenige Berichte vorhanden. 1965 war es jedoch Walter Rauscher, der die Aktion Saubere Landschaft in der Wasserwacht mit durchschlagendem Erfolg installierte.

Lastwagenweise wurde Abfall aus dem Landkreisgebiet gesammelt und einer geordneten Entsorgung zugeführt. 1967 war es wieder so weit. Die Wasserwacht erhielt zum dritten Mal ein gebrauchtes Fahrzeug. Ein Opel Caravan, der als Mannschafts- und Einsatzfahrzeug diente und mit geringen Um- und Ausbauten einsatztauglich gemacht wurde.

Peter Sperber und Dieter Körnig vor dem Opel Caravan

Bei den Neuwahlen im November 1968 wurde die alte Vorstandschaft bestätigt:

Ortsgruppenleiter: Rudolf Baumann
stellv. OG-Leiter: Rudi Marschall
Technischer Leiter: Walter Rauscher
Gerätewart: Karl Metz Kassier
Schriftführer: Dieter Körnig

Die Entwicklung vorausahnend, beschloss die Vorstandschaft am damals als Leitermeier-Weiher bekannten und beliebten Badegewässer, dem heutigen Naherholungsgebiet Erding Nord, einen regelmäßigen Wachdienst einzurichten.

Als Startschuß wurde im Juli 1968 eine Großübung des BRK-Kreisverbandes, der Wasserwacht, der Polizei, der Freiwilliger Feuerwehr Erding und von Angehörigen der Bundeswehr durchgeführt. Über 1500 Bürger verfolgten dieses Spektakel mit großem Interesse.

Ebenfalls 1968 reifte der Wunsch, nachdem der Preßluftverbrauch durch die vielen Übungen und Einsätze gewaltig angestiegen war, das Füllen der Tauchflaschen komfortabler und billiger zu gestalten. Man wollte weg von der kostenintensiven und aufwendigen Kaskadenfüllung hin zu einem eigenen Kompressor, mit dem die Pufferflaschen einfacher und kostengünstiger gefüllt werden konnten.

Da Geld in den Händen der Wasserwacht immer zur Mangelware gehörte, war wieder der Erfindungsreichtum und das Improvisationsgeschick der Macher gefragt. Walter Rauscher, seinerzeit beruflich im Erdinger Fliegerhorst tätig, stellte die ersten Kontakte her.

Wie ein Phönix aus der Asche wurde aus Schrott ein Kompressor für die Wasserwacht gebaut. Die Bundeswehr musterte zu diesem Zeitpunkt gerade Flugzeuge vom Typ RF 84 aus.

Die Anlasserkompressoren, welche zum Start der Flugzeugtriebwerke benutzt wurden, waren das ideale Herzstück für den Wasserwachtkompressor.

Als man von der Standortverwaltung Erding auch noch alte Elektromotoren erhalten konnte, waren die wesentlichen Bauteile zusammengetragen. Man machte sich an die Arbeit, schweißte einen Rahmen, fertigte eine Rutschkupplung an und besorgte Kartuschen mit Silikagel und Aktivkohle zur Atemluftreinigung.

Auch ein 380V-Anschluß und die Installation eines Betriebsstundenzählers waren für Rudi Baumann kein unlösbares Problem und der Kompressor war, innerhalb kürzester Zeit, betriebsbereit. Nur noch die Qualitätskontrolle der Pressluft als Atemluft zum Tauchen fehlte.

Hier konnte Rudi Marschall helfen. Er war ebenfalls im Fliegerhorst tätig und saß an der richtigen Stelle, um diese Untersuchungen durchführen zu lassen.

Nachdem alle Untersuchungen zur vollsten Zufriedenheit der Wasserwachtler ausgefallen waren, ging der Kompressor in Betrieb und wurde im alten BRK-Heim in Erding an der Dorfener Straße installiert.

Besser ausgerüstet als die Feuerwehr unterstützte die Wasserwacht diese beim Füllen der feuerwehreigenen Atemluftgeräte, bis diese von der Stadt Erding mit einem eigenen Kompressor ausgestattet wurden. Auch im

Die Taucher Burkhard Köppen, Günther Rüde, Dieter Körnig und Dr. Hans Seeholzer bei ihren Vorbereitungen zu einer Einsatzübung im Erdinger Stadtpark

Winter trauten sich die Einsatzkräfte in und auf das Wasser. Mitte Dezember 1968 wurde in der Sempt im Stadtpark die Einsatzbereitschaft der Wasserwacht geprüft.

Ziel der Übung war es, eine ins Wasser gefallene Person zu finden und zu bergen. Die Puppe, welche den Verunfallten darstellte, war schnell gefunden und die Wasserwachtler hatten den Test erfolgreich bestanden. Mit einer Tragödie beginnt das Jahr 1969.

Ein vierjähriges Mädchen wird in der Sempt vermisst und konnte erst nach dreitägiger Suche unter Baumstämmen vor dem Sägewerk Liebl-Kehr, von den Rettungstauchern der Wasserwacht entdeckt und geborgen werden. Zu einem weiteren tragischen Unglück wurde die Wasserwacht im Juli 1969 gerufen Ein elfjähriges Mädchen fällt von einem selbstgebauten Floß und ertrinkt vor den Augen seiner Geschwister in einem Weiher im Finsinger Moos.

Obwohl unser Rettungstaucher Max Neumaier sie nach nicht einmal zwei Minuten gefunden hatte, konnte der mit einem Rettungshubschrauber (das erste Mal im Landkreis Erding) herbeigeeilte Notarzt nur noch den Tod feststellen. Trotz dieser traurigen Begebenheiten durfte die Ortsgruppe in ihrem Jahresbericht eine positive Bilanz ziehen.

Bei 6427 geleisteten Wachstunden konnten fünf Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden. 1970 erhielt die Wasserwacht als Ergänzung zum Opel Caravan ein weiteres Einsatzfahrzeug (BJ 1957) aus dem Fahrzeugpark des Kreisverbandes.

Mit diesem gebrauchten VW-Krankentransportwagen wurden völlig neue Wege beschritten. Das neue, gebrauchte Fahrzeug wurde durch die Kameraden Alois Schels, Walter Rauscher, Rudi Baumann, Albert Friemer und anderen Aktiven in einigen hundert Stunden generalsaniert und zum ersten reinen Wasserwacht-Einsatzfahrzeug umgebaut.

Ausgestattet mit der kompletten Ausrüstung für zwei Rettungstaucher, einer Trage, Sanitätsmaterial, Blaulicht und Martinshorn sowie seinerzeit einmalig, mit einem Funkgerät FuG 7b, war es das beste, was die Ortsgruppe bis dahin je besaß.

So ein Fahrzeug gab es bei der Wasserwacht in ganz Oberbayern kein zweites Mal! Die erste Bewährungsprobe für das neue Fahrzeug kam am 14. Juni 1970. Alarmiert über Funk von der Rettungsleitstelle des BRK Erding eilten die Einsatzkräfte der Wasserwacht vom Notzinger Weiher nach Langenpreising.

Das erste Wasserwacht – Einsatzfahrzeug, ein alter VW-Sanka

Ein 22-jähriger Mann konnte durch die Rettungstaucher Max Neumaier und Dieter Körnig schnell geborgen werden.

Jedoch blieben die Wiederbelebungsversuche erfolglos. Mehr Glück hatte am 21. Juni 1970 ein 10-jähriges Mädchen, welches von Jakob Wanderer, einem diensthabenden Rettungsschwimmer an der Wasserwachtstation am Baggerweiher, gerettet und erfolgreich wiederbelebt werden konnte

In diesen Zeitraum fällt auch die Gründung der Wasserwacht-Schnelleinsatzgruppe Erding.

Die Alarmierung erfolgte seinerzeit über Telefon. Sehr gute Kameradschaft und überdurchschnittliches Engagement garantierten, dass auch ohne Funkmeldeempfänger immer ausreichend Personal von allen möglichen Orten zu den Einsätzen herangezogen werden konnte.

Eiskalt begann das Jahr 1971. Erstmalig wurde bei einer Eistauchübung im März im Wörther Weiher, eine geliehene, kabelgestützte Unterwasserkommunikationseinheit eingesetzt, mit dem Ziel, die Verständigung der Taucher mit ihren Leinenführern zu verbessern.

Allerdings waren die Anschaffungskosten zu hoch und die Technik noch nicht so ausgereift, als dass sich dieses Hilfsmittel seinerzeit durchsetzen hätte können. Wärmer, aber nicht angenehmer, war ein Einsatz im Juli 1971. Mit technischer Hilfeleistung der Freiwilligen Feuerwehr Erding traten neun Freiwillige der Wasserwacht an, das Schwimmbecken im alten Freibad zu reinigen.

Die Natur hatte das ihre getan, einen braunen Algenteppich entstehen zu lassen. Es drohte die Schließung des Bades am Stadtpark. Mit Wasser, Reinigungsmitteln und viel Elan wurde dieser Brühe zwischen 19:00 und 24:00 Uhr entgegengetreten und das Becken blitzblank geschrubbt.

Nur durch den uneigennützigen Einsatz der Freiwilligen konnte eine Schließung des Bades verhindert werden. Sorgen bereitete auch die Finanzierung der vielfältigen Aktivitäten. Trotz oder gerade wegen der erfolgreichen Arbeit drückte die Ortsgruppe der leere Geldbeutel.

Damit die durch die zunehmende Technisierung der Wasserrettung anfallenden Kosten gedeckt werden konnten, veranstaltete die Ortsgruppe im August 1971 erstmalig ein Sommerfest mit Ochsenbraterei für die Öffentlichkeit. Etwa 1800 Besucher konnten begrüßt und bewirtet werden.

Im Herbst desselben Jahres wurde auch eine Wasserwacht-Jugendgruppe gegründet. Eine große Herausforderung für die Wasserwacht stellte die Eröffnung des Hallenbades im November 1971 dar. Nach vielen Jahrzehnten des alten Freibades war auch in der Stadt Erding eine neue moderne Ära angebrochen.

In den 70er Jahren erbaut, war das Hallenbad eine moderne Badeanstalt, das dem gestiegenem Freizeitgefühl der Bevölkerung Rechnung trug. Die Ortsgruppe übernahm neben dem Notzinger- und dem Kronthaler Weiher ihren dritten Wachplatz.

Im Schichtbetrieb erbrachte die Wasserwacht damals täglich von 9:00 bis 21:00 Uhr ihren ehrenamtlichen Beitrag für die Sicherheit der Badegäste. Diese außergewöhnliche Einsatzbereitschaft konnte bis zum Mai 1972 aufrechterhalten werden.

1972 hatte sich die Ortsgruppe hohe Ziele gesteckt. Neben verschiedenen Übungen, Einsätzen mit Sachbergungen, der Unterstützung eines Zeltlagers des Kreisjugendrings mit 300 Kindern in Gaden und dem ersten Wasserwacht-Schwimmfest im neuen Freibad in Erding galt das Streben der Beschaffung des ersten fabrikneuen Einsatzfahrzeuges für die Ortsgruppe.

Auf die beharrliche Initiative Walter Rauschers und der Ortsgruppenvorstandschaft hin, konnte die Aktion Ein Rettungswagen für die Wasserwacht auch gegen den Widerstand aus den eigenen Rot-Kreuz-Reihen ins Leben gerufen werden. Walter Rauscher erwies dabei außergewöhnliches

Übung am Mittleren Isar Kanal Winter 1972 v.l. Alfons Karrer, Manfred Schleier, Burkhard Köppen, Dieter Körnig, Max Neumaier, Walter Rauscher

Gespür für den Spendenwillen in der Bevölkerung. Neben einer Tombola und einer Sammel- und Spendenaktion wurde auch ein alter Borgward schrottreif geschlagen. Gespendet vom Kameraden Wolfgang Ippisch konnte jeder, der wollte, gegen eine Spende am kleinen Platz in Erding auf das alte Fahrzeug Ippischs einschlagen.

Dank der massiven Bauweise des Oldtimers waren viele Hammerschläge erforderlich, bis die Schrottreife festgestellt werden konnte. Allerdings reichten die Mittel noch nicht ganz für den ehrgeizigen Plan: Fahrzeugneubeschaffung. Im Herbst fanden wieder einmal Neuwahlen statt, wobei die Kontinuität auch in der Führung gewahrt wurde.

Ortsgruppenleiter: Walter Rauscher
stellv. OG-Leiter: Ingo Hoehne
Technischer Leiter: Burkhard Köppen
Gerätewart: Klaus Schuchardt
Schriftführerin: Gerda Dasch

Auch das Jahr 1973 stand noch ganz im Zeichen der Fahrzeugbeschaffung. Hierzu wurden zwei Faschingsbälle mit einer Miss-Wahl, eine große Tombola im Sempt-Markt, ein Gaudi-Fußballspiel gegen die FFW Erding, eine Auto Gaudirallye mit Maitanz und das zweite Wasserwacht-Schwimmfest durchgeführt.

Das stolze Ergebnis aller Aktionen war ein Betrag von weit mehr als DM 30.000,-, welcher für den Kauf und die Ausstattung des ersten fabrikneuen Wasserrettungsfahrzeugs verwendet wurde.

Der komplette Innenausbau mit Funk, Möblierung und Sondersignalanlage wurde von den Mitgliedern der Ortsgruppe erbracht. Ausgestattet mit vier kompletten Tauchausrüstungen, Schlauchboot, Funkgerät, Sanitätsmaterial, einem Sauerstoffinhalationsgerät, Beleuchtungseinheiten und anderem wichtigen Gerät, ersetzte der Hanomag das 17 Jahre alten VW-Einsatzfahrzeug.

Neben diesen Fleißaufgaben hatte man natürlich auch noch die normalen Dinge zu erledigen. Am 28. März 1973 wurde ein Dackel aus dem Isarkanal geborgen. Aus Dankbarkeit wurde der Retter Ingo Höhne von diesem auch noch in die Hand gebissen.

Am 9. April 1973 rettete die damals 16-jährige Wasserwachtlerin Conny Waida im Freibad Erding einer 60-jährigen Frau das Leben, welche durch Kreislaufkollaps schwimmunfähig geworden war.

Conny Waida konnte sie durch ihr entschlossenes, aber auch technisch einwandfreies Eingreifen vor dem Tod durch Ertrinken bewahren.

Am 17. April 1973 wurde eine Schrottauto aus dem Kronthaler Weiher geborgen. Am 3. Juli 1973 erfolgte eine Fahrzeugbergung aus einem Weiher bei Schwaig.

Das neue Einsatzfahrzeug, Rot-Kreuz-Erding-4, Hanomag

Die Kripo hatte die Wasserwacht um Amtshilfe gebeten. Es galt ein gestohlenes Fahrzeug zu bergen. Brisanter Inhalt war eine Gaspistole, welche modifiziert und mit scharfer Munition geladen war. Am 5. Juli 1973: Bergung einer Planierraupe aus dem Siglfinger Weiher.

Am 12. September 1973: Wer war die Tote vom Speichersee So lautete die Schlagzeile der Boulevardpresse. Hintergrund war, dass eine von Zuhältern ermordete und verstümmelte Frau nach Tagen am Kraftwerksrechen in Neufinsing angeschwemmt worden war.

Der Bergungsauftrag wurde durch die Männer und Frauen der Wasserwacht Erding erledigt. Am 21. Dezember 1973 spielten sich die wohl dramatischsten Minuten in der Einsatzgeschichte der Ortsgruppe Erding ab. Eine Fahrzeugspur am Ufer des Isarkanals führte zu einem Schrottauto, welches geborgen werden sollte.

Die Polizei erteilte der Wasserwacht den Bergungsauftrag. Allerdings stellte sich nach der Bergung des oben genannten Schrottautos durch die polizeilichen Ermittlungen heraus, dass die Reifenprofile nicht mit den gefundenen Spuren übereinstimmten.

Man machte sich auf die Suche nach einem weiteren PKW, der schließlich im sechs Meter tiefen Kanalbett gefunden wurde. Die Einsätze im schnell strömenden Wasser des Kanals gehören für erfahrene Taucher auch heute noch mit zu den gefährlichsten Einsätzen.

Aber 1973, knapp zwei Jahre nach der Gründung der mobilen Schnelleinsatzgruppe Wasserrettung in der Ortsgruppe Erding, besaß in diesem kleinen hoch motivierten Team noch kein Taucher große Einsatzerfahrung unter solchen Bedingungen.

Nur so ist zu erklären, dass sich beim Versuch das Fahrzeug zu fixieren, die Leine unseres Tauchers Klaus Schuchardt so unglücklich verhedderte, dass dieser das Mundstück seines Atemgerätes in reißender Strömung verlor und durch diese zusätzlich unter Wasser gedrückt wurde.

In allerletzter Sekunde konnte der bereits Leblose durch den uneigennützigen Einsatz seiner Wasserwachtkameraden geborgen und erfolgreich wiederbelebt werden.

Nach eigenem Bekunden waren seine letzten Gedanken:
Was für ein Weihnachten für meine Frau und das Kind!?

Dank der schnellen Reaktion und des zielgerichteten und richtigen Handelns seiner Kameraden ist Klaus Schuchardt auch heute noch ein aktiver Wasserwachttaucher.

Noch geschockt von den Ereignissen des vorangegangenen Dezembers begann das Jahr 1974 mit Überlegungen, die Sicherheit der Taucher zu erhöhen.

Dezember 73 am Mittleren Isar Kanal Tauchunfall des Kameraden Klaus Schuchardt

Vor allem die damals aktiven Taucher Dr. Hans Seeholzer, Günther Rüde und Burkhard Köppen engagierten sich in Sachen Tauchsicherheit.

Ihnen ist es aus heutiger Sicht zu verdanken, dass seit dem Weihnachtsunfall 1973, konsequent viele Geldmittel in die Tauchsicherheit investiert wurden und noch heute werden.

Dies fand erstmals Niederschlag in der zusätzlichen Beschaffung von vier kompletten Tauchausrüstungen, einer adäquaten Menge an Tauchmessern und etlichen neuartigen Tauchrettungswesten.

Der Großteil der finanziellen Mittel stammte aus Aktionen der Ortsgruppe Erding am SemptMarkt in Aufhausen. So konnte man mit großzügiger Unterstützung des Besitzers Anton Maier das bekannte Wasserwacht-Sommerfest und die Nikolaustombola über viele Jahre hinweg durchführen.

Herr Maier war seit den 70er Jahren bis 1997 der wohlwollendste Mäzen für unsere Wasserwachtarbeit. Viele zehntausend Mark sind im Laufe dieser Jahre durch die freundliche und aktive Hilfe von Herrn Maier, seiner Frau und vieler seiner Mitarbeiter der Wasserwachtarbeit zugute gekommen.

Am 4. Oktober 1974 tritt der technische Leiter Burkhard Köppen, frustriert über die mangelnde Unterstützung von Seiten der Aktiven, von seinem Amt zurück.

Manfred Schleier übernimmt daraufhin die Aufgaben des technischen Leiters kommisarisch bis zur nächsten Wahl. Ansonsten steht 1974 nur noch eine Personensuche mit anschließender Leichenbergung in Franzheim in den Analen.

Dabei sind zwei Punkte hervorzuheben. Erstens gibt es den Franzheimer Weiher nicht mehr. Die neue Adresse lautet Flughafen Franz Josef Strauß oder MUC 2.

Das zweite ist, dass damals ein heute für die Schnelleinsatzgruppe unverzichtbares Hilfsmittel erfunden worden ist.

Nachdem die Taucher Burkhard Köppen und Manfred Schleier den Vermissten am ersten Tag nicht retten konnten, vereinbarte man für den nächsten Morgen einen neuen Bergungsversuch.

Während der Vorbereitungen zur zweiten Suche beredete man, wie die Suche effektiver gestaltet werden könnte. Burkhard Köppen beschrieb eine Stange, welche man an Leinen hinter dem Paddelboot herziehen müsse und an welcher sich die Taucher festhalten sollten.

Unbemerkt von den Wasserwachtlern belauschte ein Franzheimer Landwirt dieses Gespräch und verschwand.

Kurze Zeit nach Beginn der Suche konnte der Leichnam geborgen werden. Während der Aufräumarbeiten stand dann auf einmal besagter Landwirt unter den verblüfften Wasserwachtlern und hielt ihnen ein ca. 3,50m langes Wasserohr mit je einem aufgeschweißten Ring an den Enden unter die Nase.

Die Schleppstange, welche mit den daranhängenden zwei bis drei Tauchern an 25m-Leinen, anfangs noch hinter dem Paddelboot oder auch von Brücken aus, durch das Wasser gezogen wurde, war erfunden.

Auch heute kommt diese Schleppstange und ihre verbesserten Nachfolgerinnen bei vielen Sucheinsätzen zur erfolgreichen Anwendung.

Zu den Jahrgängen 1975 und 1976 ist den vorhandenen Archiven nichts Spektakuläres zu entnehmen. Im Frühjahr 1977 kam mit der Wahl einer neuen Vorstandschaft, unter Burkhard Köppen wieder frischer Wind in die Ortsgruppe.

Er trat die.Nachfolge von Walter Rauscher an, der sich nun als Abteilungsleiter verstärkt um die begonnene Expansion der Wasserwacht im Landkreis kümmern wollte.

Ortsgruppenleiter: Burkhard Köppen
stellv. OG-Leiter: Max Neumaier
Technischer Leiter: Manfred Schleier
Gerätewart: Jakob Nein
Naturschutzbeauftragter: Helmut Küchler
Werbebeauftragter: Harald Seeholzer
Jugendwart: Max Ganser
Schriftführerin: Hannelore Müller
Wasserwachtarzt: Dr. Gerd Hohlbach

Die auch weiterhin durchgeführte Aktion Saubere Landschaft zeigt erste Erfolge. Das gestiegene Umweltbewusstsein der Bevölkerung und der in den Vorjahren gesammelte Müll führte dazu, dass deutlich weniger Abfall gefunden wurde als in den Jahren zuvor.

Das zum fünften Mal organisierte Schwimmfest im Erdinger Freibad, die Mai-Rallye und andere Veranstaltungen ermöglichten der Ortsgruppe die Beschaffung von weiteren Tauchausrüstungen mit modernen Rettungswesten sowie eines 200 bar Kompressors mit 380V-Antrieb.

Ebenso gab es erste Überlegungen, wie man die Wasserrettung im Erdinger Landkreis noch effektiver gestalten könnte. Manfred Schleier, Jakob Nein und Burkhard Köppen befassten sich im Rahmen der Vorstandschaftsarbeit und darüber hinaus intensiv mit dem Thema Finanzierung und Beschaffung eines Motorrettungsbootes für die Schnelleinsatzgruppe.

Erklärtes Ziel war es, die Taucher mit dem neuen Schleppstangensystem während eines Einsatzes, unabhängig von Ufern oder Brücken, zielgerichtet und sicher über den Grund eines Gewässers zu bewegen, um somit die wertvollen Sekunden zu gewinnen, die erforderlich sind, damit eine Rettung durch Taucher effektiv, realistisch und möglich wird. Im Frühjahr 1978 entdeckte Manfred Schleier das richtige Boot auf der CBR in München. Ein stabiles, relativ leichtes, verwindungssteifes 4,5m-Schlauchboot mit großer Personen- und Lastaufnahmefähigkeit.

Zusammen mit einem 40PS-Außenbordmotor und einem passenden Bootstrailer belief sich der Anschaffungswert auf knapp DM 20.000,-.

Für diesen Betrag musste Walter Rauscher als Abteilungsleiter in der Kreisvorstandschaft lange kämpfen.

Ein Orginalzitat aus einer damaligen Sitzung: Wollt´s jetzt am Notzinger Weiher scho Wasserschi fahrn!, spiegelt das Unverständnis im eigenen Kreisverband für die Anforderungen wieder, welche die moderne Wasserrettung an Personal und Material stellt.

Aber auch überregional wurde der Größenwahn der Erdinger Wasserwacht erst einmal belächelt.

Die Wasserwacht bei der Aktion Saubere Landschaft

Was wollen die Trockenwasserwachtler (keinen großen, bedeutenden See im Landkreis) mit einem Motorboot?

Doch das Konzept war in der Praxis sehr erfolgreich und langsam aber sicher wurden aus den Spöttern Befürworter, ja Bewunderer des Erdinger Modells.

Bayernweit waren die Erdinger Wasserwachtler Vordenker und Vorreiter in der Entwicklung des modernen Wasserrettungswesens, ohne das es heute im Jahr 1999 überhaupt nicht mehr denkbar wäre, auch in einem Landkreis ohne große Seen, Wasserrettung notfallmäßig zu betreiben.

Noch während die Finanzierungsverhandlungen liefen, feilten Burkhard Köppen und Manfred Schleier weiter an ihrem Einsatzkonzept, einer über stille Funkmelderalarmierung jederzeit einsatzbereiten, mobilen Schnelleinsatzgruppe.

Solche Einheiten bestehen aus hochmotivierten, gut geschulten Einzelpersonen, Fahrern, Bootsführern, Leinenführern, Rettungsschwimmern und Tauchern, welche mit dem Einsatzsystem bis ins Detail vertraut sind. Darüber hinaus werden Techniker benötigt, die den hohen Gerätestandard pflegen und weiterentwickeln.

Aber erst in gemeinsamer Aktion kann ein Einsatz sicher und effektiv durchgeführt werden. Da man vier dieser seinerzeit noch sehr unhandlichen Funkmeldeempfänger beschaffen konnten, kann man dieses Jahr sozusagen als das Geburtsjahr der modernen Wasserrettungs-Schnelleinsatzgruppe bezeichnen. Heute umfasst diese Gruppe 32 Mitglieder, welche mit modernen Geräten und Material ausgestattet sind. 1979 begann eher beschaulich.

Während des Standardprogramms musste bei einer Tauchübung nur ein Moped aus dem Kronthaler Weiher geborgen werden und auch sonst war nichts Außergewöhnliches zu verzeichnen.

Die ersten Bootsführer der Wasserwacht Erding v.r. Burkhard Köppen, Rudi Czarnotta, Jakob Wanderer, Hannelore Müller, Jakob Nein, Wolfgang Ippisch, Manfred Schleier mit Abteilungsleiter Walter Rauscher

Die ersten Versuche mit dem neuen Boot im Mittleren Isar Kanal

Im Juni 1979 wurde ein Einsatz notwendig, welcher alles bisher Dagewesene an Schrecken übertraf und die neue mobile Wasserwacht-Schnelleinsatzgruppe in jeder Hinsicht in ihrer Leistungsfähigkeit forderte.

Für fünf Freunde wurde ein Wohnmobil, umgebaut aus einem alten Bundeswehr-Unimog, im Marzlinger Weiher bei Freising zur Todesfalle.

Sie hatten versucht, auf einem schmalen Uferweg zu wenden, waren mit dem Fahrzeug die Böschung hinabgerutscht und rückwärts im Weiher versunken.

Als die Wasserwacht Erding mit einer halben Stunde Verzögerung von Freising aus zur Verstärkung alarmiert wurde, konnte sie nur noch bei der Bergung der Fünf helfen, welche elend im verschlossenen Unimog-Aufbaukoffer ertrunken waren.

Doch auch 1980 setzte sich die traurige Einsatzbilanz fort. Den Wunsch, sein abgetriebenes Boot aus dem Siglfinger Weiher zu erreichen, bezahlte ein 17-jähriger Mann im April mit dem Leben.

Er erlitt bei dem Versuch einen Herzschlag und konnte von der Schnelleinsatzgruppe nur noch tot geborgen werden.

Im Mai 1980 war wieder einmal die Wasserwacht unter den Ersten. Noch bevor das neue Erdinger Freibad der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, konnte man im kostenlos von der Stadt Erding zur Verfügung gestellten Bad eine Tauchausbildung mit 14 Tauchscheinanwärtern durchführen.

Im August 1980 hieß es dann Hollywood am Kronthaler Weiher. Im Rahmen eines Berichtes des Bayerischen Fernsehens über die Gefahren an Badegewässern zeigte die Wasserwacht Erding ihre Einsatzbereitschaft.

Im Sommer 1980 erhielt die Wasserwacht Erding für ihre Schnelleinsatzgruppe erstmalig ein neues Fahrzeug aus Mitteln des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes.

Der Mercedes Benz 308 wurde wie bereits seine beiden Vorgänger von Aktiven zu einem funktionalen und einsatzorientierten Fahrzeug ausgebaut.

Eine Gruppe handwerklich begabter Aktiver um Manfred Schleier und Jakob Nein konnte in wenigen Wochen den Ausbau des Fahrzeuges vornehmen.

Für die Funkausstattung und die notwendigen elektronischen Einbauten zeichnete wie schon seit vielen Jahren Rudi Baumann verantwortlich. Er konnte, aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit in der Funkwerkstatt des BRK-Präsidiums, der Wasserwacht Erding immer zum neuesten Entwicklungsstand verhelfen.

Ausgerüstet mit vier kompletten Tauchausrüstungen, leichtem Bergegerät, medizinischer Notfallausrüstung und 2m- und 4m-Funkgeräten wurde das Fahrzeug im September seinem Bestimmungszweck übergeben.

Mai 1979: Tauchausbildung im Freibad Erding

Die Neuwahlen im Februar 1981 brachten der Wasserwacht nur eine wichtige Veränderung auf einer Position.

Dr. Johannes Schollen wurde erstmalig in die Funktion des Wasserwachtarztes gewählt.

Ohne den Verdienst seiner Vorgänger schmälern zu wollen, kann man feststellen, dass seit dieser Zeit alle Funktionsträger der Ortsgruppe und insbesondere die Taucher auf Herz und Nieren geprüft ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen.

Nicht zuletzt trägt dieser Umstand wesentlich zur Einsatzsicherheit der Wasserwacht im Landkreis bei.

Ortsgruppenleiter: Burkhard Köppen
stellv. OG Leiter: Max Neumaier
Technischer Leiter: Manfred Schleier
Gerätewart: Jakob Nein
Schriftführerin: Hannelore Müller
Jugendwarte: Rebekka Scholz, Hannelore Müller
Tauchwart: Manfred Herzog
Bootswart: Rudi Czarnotta
WW-Arzt: Dr. Johannes Schollen

Der Faschingsball der Wasserwacht und das neunte Schwimmfest waren bereits zu festen Einrichtungen im Jahresprogramm geworden.

Daneben betrieb man konsequent den weiteren Ausbau und die technische Aufrüstung der Schnelleinsatzgruppe.

So konnte ein zweites Schlauchboot mit einer Länge von 3,85m gekauft werden. Dieses Boot war erforderlich, um bei den gefährlichen Einsätzen in der starken Strömung des Mittleren-Isar-Kanals als Sicherungsboot zu fungieren.

Ferner suchten die Verantwortlichen für die Mitglieder der Schnelleinsatzgruppe seit langem nach einer geeigneten Einsatz- und Schutzbekleidung, welche vor allem im Winter bei niedrigen Außentemperaturen und eisig kaltem Wasser sicheren Schutz vor Unterkühlung bietet.

Auch hier beschritten die Erdinger neue Wege und beschafften sich direkt beim Hersteller sondergefertigte Einsatzanoraks sowie Overalls aus dem Hochseesegelbereich, bei den Aktiven besser bekannt als Gummisau.

Das neue Einsatzfahrzeug, RK-ED-5, Mercedes 308

Die SEG in ihrer neuen Bekleidung: Dietmar Sertl, Jürgen Springer, Jakob Nein, Andreas Krinner, Manfred Jahn, Klaus Schuchardt, Rudi Czarnotta, Hannelore Müller, Christian Sertl, Ingo Müller, Manfred Schleier, Burkhard Köppen und Michael Schmidt (von links nach rechts)

Sie halten bei Wind und Wetter warm und trocken, aber bei jedem anstrengenden Einsatz gerät man darunter auch ordentlich ins Schwitzen.

1982 konnte das im Vorjahr beschaffte Schlauchboot mit einem 20 PS Motor ausgestattet werden. Die Mittel dafür und für andere notwendige Gerätschaften wurden wie immer zum wesentlichen Teil beim Sommerfest und bei der Nikolaustombola auf dem Gelände des Sempt Marktes erwirtschaftet.

Die Mittelbeschaffung für die eigene Arbeit hatte in der Wasserwacht Tradition bekommen. Im September 1982 war dann ein Hauch von Saint Tropez zu spüren, als die Taucher der Wasserwacht im Auftrag der Polizei einen gestohlenen Ferrari aus dem Speichersee in Finsing bergen konnten.

Der Fortschritt ging auch 1983 weiter. Nach umfangreichen Tests verschiedener Hersteller wurden zwei neue Trockentauchanzüge gekauft. Die häufig vorkommenden Einsätze während des Winters führten damals zu dieser, auch heute noch richtigen Entscheidung.

Obwohl diese Trockentauchsysteme sehr teuer sind, haben sie sich seit Beginn der 90er Jahre im Bereich des Wasserrettungsdienstes und auch in der Privattaucherei immer mehr durchgesetzt.

Im Juli 1983 verzeichnet die Einsatzchronik der Wasserwacht wieder einmal einen jener Einsätze, die alle Beteiligten als besonders tragisch und grausam empfinden und die über viele Jahre hinweg in reger Erinnerung bleiben.

Der gelbe Manta eines seit einer Woche vermißten 20-jährigen wird im Isarkanal gesichtet. Entdeckt wurde der Unfallort durch einen aufmerksamen Spaziergänger, dem die demolierte Leitplanke am Straßenrand zur Werndlfinger Kanalbrücke aufgefallen war.

Neugierig geworden, entdeckte er auch noch einen auf halber Höhe abgeschlagenen Baum an der Brückenböschung, sowie diverse Wrackteile. Auf Grund dieser Hinweise wurde die Schnelleinsatzgruppe von der Polizei Erding zum Einsatzort gerufen.

Noch am selben Abend bargen die Taucher mit Hilfe erstmalig eingesetzter, sogenannter Hebeballons und Unterstützung durch die Freiwillige Feuerwehr das weit in das Kanalbett katapultierte Fahrzeug. Bei der Bergung wurden dann die Befürchtungen bestätigt.

Der Besitzer saß noch angeschnallt in seinem Wagen. Auch 1984 nahm der Schrecken kein Ende. Im Januar musste aus dem Rechen des Wasserkraftwerkes in Eitting die Leiche einer Frau geborgen werden. Im Februar 1984 verliert bei spiegelglatten Fahrbahnen ein 17-jähriger gegen vier Uhr morgens die Kontrolle über sein ausgeliehenes Fahrzeug und stürzt neben der Brücke der Staatsstraße durch Niederneuching in den Isarkanal und ertrinkt.

Die ersten Tauchgänge mit den neuen Trockentauchanzügen im Februar 1983 im Kronthaler Weiher

Sein Beifahrer wird dabei aus dem Fahrzeug geschleudert, überlebt leicht verletzt und entkommt dem nassen Grab, weil ein Anwohner den Unfallärm wahrnahm und beherzt eingriff. Am 10. März 1984 konnte die Wasserwacht Erding einen weiteren Meilenstein in ihrer Geschichte der mobilen Wasserrettung setzen.

Ein fabrikneues Fahrzeug vom Typ Mercedes Benz 210 konnte als Einsatzfahrzeug für die Schnelleinsatzgruppe der Wasserwacht in Dienst gestellt werden.

Walter Rauscher, der damalige Abteilungsleiter, hatte mit seiner sprichwörtlichen Beharrlichkeit ein weiteres Mal nach 1973 (Die Aktion: Ein Rettungswagen für die Wasserwacht) die zuständigen Stellen wie die Rotkreuzvorstandschaft in Erding und den Bezirksverband, welcher die staatlichen Mittel des Innenministeriums vergibt, überzeugen können, dass ein Wasserrettungsfahrzeug auch und gerade in einem Landkreis wie Erding ohne große Badeseen benötigt und gut verwendet wird.

Burkhard Köppen, Manfred Schleier und Jakob Nein hatten zusammen mit einer kleinen Gruppe handwerklich begabter Wasserwachtler ein Konzept erarbeitet und umgesetzt.

Das Ergebnis war eine Mischung aus einem Taucheinsatzfahrzeug, einem Mannschaftstransporter und einer mobilen Wachstation für die verschiedenen Wachplätze.

Ausgestattet wurde er mit 4m- und 2m- Funkgeräten, für die wieder Rudi Baumann verantwortlich zeichnete, mit vier kompletten Tauchausrüstungen sowie mit aller notwendigen Ausrüstung, um auch zur akuten Erstversorgung für Verletzte und Erkrankte dienen zu können.

Die erste Bewährungsprobe kam am Tag des Sommerfestes auf dem Gelände des Sempt-Marktes in Aufhausen. Anstatt sich um 8:00 Uhr am Festplatz zu treffen, riß der Funkwecker die Aktiven aus dem Schlaf.

Am Kronthaler Weiher war nach einer nächtlichen Feier ein 31-jähriger beim morgendlichen Erfrischungsbad untergegangen.

Trotz intensiver Suche konnte der Vermisste erst 14 Tage später durch Einsatzkräfte der Wasserwacht geborgen werden. Im verbleibenden Jahr mussten die Taucher dann noch drei Fahrzeuge aus verschiedenen Gewässern im Landkreis bergen. 1985 war wieder ein Jahr der Neuwahlen und eines weiteren personellen Wandels in der Vorstandschaft.

Burkhard Köppen und Manfred Schleier zogen sich aus der ersten Reihe der Verantwortung in der Ortsgruppenvorstandschaft zurück und verlegten ihre Aktivitäten in die Wasserwachtabteilung und in die Kreisvorstandschaft des Roten Kreuzes in Erding.

Von dort aus wollten sie der Wasserwacht mehr Unterstützung zukommen lassen. Nach vielen Jahren des Diskurses über die Notwendigkeit einer gut ausgestatteten Wasserrettungstruppe, welche naturgemäß auch viel Geld benötigte und auch noch benötigen wird, wollte man in den Entscheidungsgremien direkt mitreden und mitargumentieren.

Vorführtauchaktionen wie in früheren Jahren, die den Beweis an Notwendigkeit und Richtigkeit einer Sache antreten sollten und von der Wasserwacht immer nur als Misstrauen von denen da oben angesehen wurden, sollten in Zukunft nicht mehr notwendig sein.

Manfred Herzog und seine neue Mannschaft traten ihre Aufgabe mit neuem Elan und Schwung an. Es tat der Wasserwacht Erding gut, denn neue Akzente schufen neue Motivation in der Jugend, welche Jahre später Früchte tragen sollten.

Ortsgruppenleiter: Manfred Herzog
stellv. OG-Leiter: Burkhard Köppen
Technischer Leiter: Dietmar Sertl stellv.
Technischer Leiter: Jakob Nein
Kassenwart: Alois Schießl
Schriftführerin: Gabriele Witzku, verheiratete Sertl
WW-Arzt: Dr. Johannes Schollen

Unter dem neuen Vorsitzenden wurde die Ausrüstung der Aktiven mit persönlicher Schutzausrüstung vorangetrieben.

Die Ersatz-und Neubeschaffung von Dienstanoraks, sommertauglichen Overalls und weiteren Tauchanzügen war ein wesentlicher Schritt, die Einsatzbereitschaft sicherzustellen und weiter zu erhöhen. Im März 1985 wurde wieder einmal Amtshilfe für die Polizei geleistet.

Vom Hubschrauber aus war das Fluchtfahrzeug eines Bankräubers im Lüßer Weiher entdeckt worden.

 BILD fehlt

Hans Zehetmair, damals noch Landrat beim Anzapfen des ersten Banzens, ferner Walter Rauscher, Anton Maier, Manfred Jahn, Manfred Herzog

Das Fahrzeug konnte von der Wasserwacht geborgen werden.

Am 22. August 1985 versank ein 79-jähriger Mann im Kronthaler Weiher. Nach 17 Minuten konnte dieser geborgen und in Zusammenarbeit mit dem Notarzt wiederbelebt werden.

Jedoch verstarb der Mann später an den Folgen des O2- Mangels, den er während des Badeunfalls erlitten hatte, im Kreiskrankenhaus Erding.

Schwan im Visier war der Zeitungsbericht eines Naturschutzeinsatzes im Erdinger Anzeiger betitelt.

Die Wasserwacht auf Schwanenjagd im Stadtpark Erding.

Unbekannte hatten mit einem Pfeil auf den Schwan geschossen und getroffen. Allerdings hatte der weiße Ritter etwas gegen die gut gemeinten Fangversuche der Helfer.

Es gelang ihm immer wieder zu entkommen. Glücklicherweise konnte sich der Schwan später von dem Geschoss befreien, so dass er noch lange im Stadtpark lebte.

Schweres Gerät war nötig, als der 100 to schwere Eimerkettenbagger der Firma Kronthaler im Zustorfer Kiesweiher versank.

Die Taucher der Wasserwacht unternahmen erste wichtige Erkundungstauchgänge. Eine professionelle Bergungsfirma besorgte den Rest.

Eiskalt begann das Jahr 1986 nicht nur dem Thermometer nach. Nachdem sich die Wasserwacht durch eine 30 cm dicke Eisschicht am Finsinger Weiher gearbeitet hatte, konnte man unter Beweis stellen, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur unzureichende Bekleidung.

Eistauchgänge gehören seit langem zur Übungsroutine der Erdinger Wasserwachttruppe.

Hier wird unter erhöhtem Risiko getaucht. Die Zielsetzung ist es, dass sich Taucher und Leinenführer immer aufeinander verlassen können müssen.

Bei wärmeren Temperaturen und selbstverständlich nicht unter Eis, sondern in der großzügigen Schalterhalle der Sparkassenzentrale in Erding fand im März und April 1986 eine Ausstellung statt, welche die erfolgreiche Arbeit der Ortsgruppe Erding widerspiegelte.

Im April 1986 wurde es dann wieder ernst. Ein 18-jähriger durchbrach mit seinem Fahrzeug das Geländer der Kanalbrücke bei Wartenberg. Glücklicherweise konnte er sich selbst befreien, so dass nur noch das Fahrzeug geborgen werden musste.

Die starke Strömung stellte auch in diesem Fall wieder höchste Anforderungen an die Helfer der Wasserwacht und deren Material.

Ebenfalls nur das Gefährt musste im August 1986 aus dem Kanal bei Neufinsing geborgen werden. Wegen überhöhter Geschwindigkeit wurde ein 22-jähriger Motorradfahrer Opfer der Fliehkraft und fand sich im Wasser wieder.

Der umgestürzte Eimerkettenbagger der Firma Kronthaler in einem Zustorfer Kiesweiher

Im weiteren Verlauf des Augustes 1986 war die Wasserwacht dann am laufenden Band gefordert. Bei Sanierungsarbeiten am Mittleren-Isar-Kanal mit reduziertem Wasserstand wurden Schrottfahrzeuge in großer Zahl gefunden und geborgen.

Eine Naturkatastrophe von bisher nicht gekanntem Ausmaß spielte sich dann im September 1986 ab. Der obere Ausgleichsweiher des Isarkanalsystems ist seit Jahrzehnten ein europaweit bekanntes Vogelschutzgebiet.

Infolge einer nicht rechtzeitig erkannten Verschlammung und der lang anhaltenden sommerlichen Hitze bildeten sich tödliche Bakterien.

Über 4000 Wasservögel starben auf dem Finsinger Speichersee an Botulismus. Überregional zusammengezogene Wasserwachtler und andere Freiwillige kämpften gegen Übelkeit und Erbrechen, um die zum Teil bereits verwesenden Körper zu bergen und um die noch lebenden aber geschwächten Tiere einzusammeln. Das Jahr 1987 begann gegenüber 1986 sehr ruhig.

Im April konnte aus dem Mittleren-Isar-Kanal bei Kempfing wieder einmal ein gestohlenes Fahrzeug im Auftrag der Polizei geborgen werden.

Im Juni 1987 wurde es dann auf einem anderen Gebiet ernst. Erste Gespräche zum Bau einer Wasserwacht-Station am Kronthaler Weiher, dem heutigen Erholungsgebiet Erding Nord, fanden statt.

Aber es sollte noch etwas dauern, bis die schwierigen Verhandlungen zwischen dem BRK einerseits und der Stadt Erding andererseits, bis der Standort, das Konzept einer eigenen Wachstation, deren Finanzierung, Nutzung und deren Versorgungsauftrag in trockenen Tüchern war.

Davon noch mehr im Jahre 1990. Im weiteren Verlauf des Jahres wurde auch nach zwei Selbstmördern gesucht, wobei eine Person leider tot aufgefunden wurde.

Im August 1987 organisierte die Wasserwacht erstmals im Rahmen.der Aktion Ferienspaß der Stadt Erding eine Schlauchbootfahrt durch den Stadtpark für die Kinder. Eher in die Rubrik Pleiten, Pech und Pannen ist ein Einsatzalarm im September 1987 einzuordnen.

Beim Bieseln von Brücke gestürzt, hieß die Meldung der Rettungsleitstelle, welche den Einsatz der Wasserwacht erforderlich erscheinen ließ.

In Wirklichkeit hatten sich die beiden Herren beim Versuch ihre Notdurft zu verrichten zu weit ins Gebüsch gewagt, und dabei übersehen, dass sie sich über einem landwirtschaftlichen Viehdurchlaß befanden. Nach der unsanften Landung mussten ein Oberarm-, sowie ein Schlüsselbeinbruch diagnostiziert werden.

Ein Eingreifen der Wasserwacht war nicht mehr erforderlich. Durch die bereits obligatorische Eistauchübung im Januar 1988 waren unsere Taucher bestens für den nächsten Einsatz gerüstet.

Im März 1988 hatte sich ein kleines Kätzchen vorwitzigerweise zu weit ans Wasser gewagt und war in die Sempt gefallen. Der Taucher Rudi Wiesbeck rettete die Miezekatze aus dem Bach und konnte sie der glücklichen Besitzerin zurückgeben.

Wieder einmal war es im Mai 1988 eine nicht angezogenen Handbremse, welche einen Wasserwachteinsatz erforderlich machte. Ein Bauersmann hatte sein Jauchefass mit Wasser vollpumpen wollen.

Jedoch zog die zunehmende Ladung den Traktor samt Anhänger in die Tiefe des Regenrückhaltebeckens bei Forstern. Taucher Klaus Schuchardt, ein erfahrener Hase in der Bergetaucherei, nahm den versenkten Traktor in kurzer Zeit an den Haken und der Auftrag war erledigt.

Schreckliche Minuten ereigneten sich im Juni 1988. Wieder einmal war die Brücke der B 388 über den Mittleren-Isar-Kanal bei Werndlfing der Schauplatz eines regelrechten Dramas, das die Männer und Frauen der Wasserwacht auf das Äußerste forderte.

Mensch und Material wurden bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit beansprucht. Eine türkische Großfamilie wollte an einem Samstagnachmittag ein Picknick dicht neben dem Uferweg des Isarkanals abhalten. Dabei waren die Kinder im abgestellten Fahrzeug einen kurzen Augenblick unbeaufsichtigt und der ältere Sohn drehte den Zündschlüssel.

Mit einem heftigen Ruck setzte sich der Ford in Bewegung, rollte über die Böschung und versank im Kanal. Der Fünfjährige konnte dem Gefängnis noch entkommen, jedoch wurde sein dreijähriger Bruder im Fahrzeug eingeschlossen und versank mit diesem im Kanal.

Die an ihren Wachplätzen in Notzing und Erding diensttuenden Wasserwachtler waren binnen kurzer Zeit am Einsatzort. Diese kurze Zeit verdankt die Familie buchstäblich Kommissar Zufall in Person des

Jakob Nein in Aktion, Schwimmkurs im Hallenbad Erding

Polizeikommissars Meisinger, welcher kurze Zeit nach dem Unglück die Kanalbrücke überqueren wollte. Er bemerkte die zur Straße hoch gerannte Großmutter des kleinen Buben, welche außer sich und laut schreiend an der Straße stand.

Ein Funkspruch zur Einsatzzentrale, ein Funkalarm an die Wasserwachtler und die gut trainierte Einsatzmaschinerie der Wasserwacht begann sofort auf Hochtouren zu laufen. Trotzdem vergingen 25 lange Minuten, bis der leblose Körper, durch den Rettungstaucher Max Neumaier aus dem bei starker Strömung am Kanalgrund liegenden Fahrzeug geborgen werden konnte.

Das Kind war bereits klinisch tot. Doch das Unglaubliche wurde wahr!! Die Wiederbelebungsversuche durch die Mitglieder der Wasserwacht, des Rettungsdienstes und des Notarztes waren erfolgreich. Der seinerzeit kleine Junge lebt heute noch bei seiner Familie.

Ebenfalls erfolgreich war die Wasserwacht in einem anderen Aufgabenbereich. In 34 Kursen konnte 1988 421 Teilnehmern die Grundkenntnisse des Schwimmens beigebracht werden. Diese Zahl stellt bis zum heutigen Tag eine nicht mehr erreichte Höchstleistung dar.

Wie zur Belohnung für die vielen erfolgreichen Einsätze konnte im Herbst 1988 auch noch ein neues Motorrettungsboot, das WW-ED 5 mit 40 PS Außenbordmotor in Dienst gestellt werden. Es ersetzte das zu diesem Zeitpunkt, durch viele harte Einsätze schwer gezeichnete und 10 Jahre alte Motorrettungsboot WW-ED 1.

Um dieses neue Boot auch transportieren zu können, wurde eine Spezialanfertigung nach Entwürfen unserer Wasserwachttechniker Manfred Schleier, Jakob Nein, Jürgen Springer und Andreas Krinner für den Bootsanhänger in Auftrag gegeben.

1989 Umbrüche erfordern Aussprachen. Nach zum Teil heftigen Personaldiskussíonen wählten die Mitglieder eine neue Ortsgruppenleitung.

Ortsgruppenleiter: Manfred Herzog
stellv. OG-Leiter: Dietmar Sertl
Technischer Leiter: Rudolf Wiesbeck
stellv. Technischer Leiter: Andreas Krinner
Jugendwart: Edgar Scholz
Kassenwart: Max Ganser
Schriftführerin: Gabriele Witzku, verheiratete Sertl
WW-Arzt: Dr. Johannes Schollen

Der Fasching, eigentlich eine lustige Jahreszeit, endete für einige Sportangler alles andere als fröhlich. In Folge eines Herzinfarktes stürzte ein Angler mittags am Faschingsdienstag in den Isarkanal bei Aufkirchen und konnte nur noch tot geborgen werden.

Im März 1989 wurde ein gestohlenes KFZ aus dem Gutbroder Weiher bei Berglern geborgen. Im Mai 1989 brach unter einem Muldenkipper eine Kiesböschung ab und das riesige Fahrzeug versank in einem Gewässer bei Eitting.

Nur mit schwerem Gerät konnte der dicke Fisch, nachdem ihn der Taucher Alois Schießl an den Lasthaken gelegt hatte, wieder zurück an Land gezogen werden. Für die Taucher sind die, nach einem solchen Vorfall losgelösten und instabilen Erdmassen eine große Gefahr. Die kleinste Erschütterung und das lose Material rutscht weiter ab.

Schießl erinnert sich an das mulmige Gefühl beim Eintauchen in die trübe, undurchsichtige Brühe. Nur wenige Kubikmeter Material das nachrutscht könnte ihn am Muldenkipper einklemmen oder ganz verschütten.

Trotzdem müssen solche Aufträge sofort erledigt werden. Hunderte Liter Schmier- und Treibstoffe gefährden Grund- und Oberflächenwasser.

Die Wasserwacht ist auch eine Umwelttruppe! Ende Mai 1989 wieder ein tragisches Unglück. Im Kronthaler Weiher ertrinkt ein 6-jähriger. Trotz schneller Rettung und zunächst erfolgreicher Wiederbelebung durch die beteiligten Wasserwachtler verstirbt der Kleine später in einer Münchner Klinik.

Im Juli 1989 der nächste dicke Fisch an der Angel der Wasserwacht. Unter fast identischen Rahmenbedingungen wie im Mai gleichen Jahres versenkt ein Kraftfahrer einen 38- Tonner in einem Kiesweiher bei Landsham.

Wie es der Zufall will, derselbe 100to-Autokran und dieselbe Mannschaft bringen den versunkenen LKW noch am gleichen Tag zurück ans Tageslicht. Im August 1989 verzeichnet das Wasserwachteinsatztagebuch wieder einmal die Bergung eines Mercedes aus dem Mittleren Isar Kanal bei Moosburg.

Die grausige Entdeckung fand nach der Bergung am Ufer statt. Der vermißte Fahrzeughalter saß noch im Wagen. Er hatte Selbstmord begangen. Der November bringt dann wieder die schönen Seiten der Gemeinschaft zum Vorschein.

40 Jahre Wasserwacht Erding und Dorfen konnten mit einem Festakt im Sitzungssaal der Sparkasse Erding feierlich begangen werden.

Zu diesem 40- jährigen Bestehen gestaltete die Ortsgruppe eine große Ausstellung im Erdinger Frauenkircherl am Schrannenplatz. Fotostellwände, Geräte, und Ausrüstungsgegenstände wurden der Öffentlichkeit präsentiert.

Sie soll wissen, was mit ihren Spendengeldern und Beiträgen beschafft wurde. Im Februar 1990 einmal mehr eine traurige Pflichtaufgabe. Aus dem Kraftwerksrechen des Isarkanals bei Langenpreising musste die Leiche einer älteren Frau geborgen werden.

In Aschheim, ein 38-Tonner am Haken der Wasserwacht

40-Jahr Feier der Wasserwachten Erding und Dorfen in den Räumen der Stadtsparkasse in Erding Burkhard Köppen, Manfred Herzog, Andreas Krinner, Hans Zehetmair, Dietmar Sertl, Kurt Kroh , Gabriele Sertl, Manfred Schleier, Walter Rauscher, Edgar Scholz, Michael Darsow, Alois Schießl, Andreas Lindner, Martin Gräbe

Ob Unfall oder Selbstmord blieb ungeklärt. Doch auch Wasserwachtler sind fröhliche Menschen die mitten im Leben stehen.

Harte Einsatzarbeit und Freizeitspaß liegen dicht beieinander. Zünftiger ging es deshalb im März 1990 zu. Bei einem Gaudieishockeyspiel besiegten die Erdinger Schandis (Polizei) das Kufenteam der Wasserwacht mit 5:2.

Motto des Spiels: Hart aber herzlich. Im Juni 1990 unterstützten Taucher und Aktive der Wasserwacht die Stadt Erding bei ihrem Bemühen, das Erholungsgebiet attraktiver zu machen. Eine neu erstellte Badeinsel wurde an vier tonnenschweren Betonklötzen in 12m Tiefe verankert.

Unsere Taucher erfüllten diese Aufgabe mit Auszeichnung. Im Juni und Juli 1990 dann wieder Unfälle mit tödlichem Ausgang.

In Wifling schleudert ein 18- jähriger mit seinem Auto in die Sempt und ertrinkt eingeklemmt im Fahrzeug, noch bevor Hilfe ihn erreichen konnte. In der Isar bei Neufahrn ertrinkt ein 27-jähriger, nachdem er mit seinem Boot in den Rücksog eines Wehres (Wasserwalze) geraten war. In beiden Fällen konnten leider nur noch die Leichen geborgen werden. Im August 1990 abermals ein hektischer Einsatz. In Moosinning wird am Badeweiher ein Kind vermisst.

Trotz intensiver Suche mit zwei Booten und sechs Tauchern konnte es nicht gefunden werden. Die Suche wurde erfolglos abgebrochen. Später stellte sich heraus, dass das Kind wohlbehalten zu Hause angekommen war.

Im Dezember 1990 konnte ein lange erwartetes und ersehntes Ereignis gefeiert werden. Bauantrag und Zuschuß für den Bau einer eigenen Wasserwachtstation am Kronthaler Weiher waren von der Stadt Erding als Genehmigungsbehörde, aber auch als Träger des Naherholungsgebietes Erding Nord und damit als Partner der Wasserwacht, endlich genehmigt worden.

Nach jahrelangen Aktivitäten der Rot-Kreuz-Vorstandschaft und der Städteplaner wurden die Früchte dieser Arbeit sichtbar. Aus dem alten Baggerweiher im Norden der Stadt Erding war im Laufe der 70er und 80er Jahre ein sehr ansehnlicher und großer Kies- und Badeweiher geworden.

Er erfreute sich inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus immer größerer Beliebtheit. Als sogenannter Träger öffentlicher Belange war der BRK-Kreisverband Erding mit seinen Wasserwachtführungskräften direkt an den Planungen hierzu beteiligt gewesen. Walter Rauscher, Manfred Schleier und Burkhard Köppen waren beharrlich mit vielen schriftlichen Stellungnahmen und Gesprächen mit dem damaligen Bürgermeister Gerd Vogt und seinen Stadträten in engem Kontakt.

Die Wasserwachtler beim Ausbringen der Grundgewichte und der Badeinsel am Kronthaler Weiher

Nicht zuletzt war es jedoch dem Einfluss und der Überzeugungskraft des Landrats von 1987 und Kreisverbandsvorsitzenden Hans Zehetmair zu verdanken, dass die Wasserwacht im BRK-Kreisverband Erding zum Bauherr einer Wasserwachtstation am Ostrand des Baggersees wurde.

Im Februar 1991 wird im Finsinger Weiher wieder eine Eistauchübung abgehalten. Acht Taucher stellen sich selbst und dem Material diesen obligaten Härtetest.

Im März 1991 fand endlich das lang erwartete Ereignis statt. Spatenstich für den Bau der Wachstation am Baggerweiher.

In den nun folgenden Monaten verbauen die Handwerker DM 300.000,- bis die Station fertiggestellt war.

Noch während der Bauphase kam im August 1991 ein 25-jähriger Mann im Kronthaler Weiher ums Leben. Nicht wissend, dass der Hochwasser führende Weiher große Ufergebiete nur minimal mit Wasser überspült, hechtete dieser in den Tod.

Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod durch Genickbruch feststellen. Am 30. Mai 1992 konnte die Ortsgruppe Erding endlich ihre neue Wachstation beziehen.

Mit dem Segen des Stadtpfarrers Josef Mundigl und den besten Wünschen des Ehrenvorsitzenden des BRK Kreisverbandes Erding, Herrn Staatsminister Hans Zehetmair, welcher noch als Landrat für den Start des Projektes maßgeblich gesorgt hatte, versehen wurde der Wachbetrieb aufgenommen. Als besonderen Gag brauten einige Aktive unter fachkundiger Anleitung des Brauerlehrlings Siegfried Ippisch ein eigenes Einweihungsbier.

Allen, die davon tranken, hat es bestens gemundet. Im Mai 1992 wurde durch die Ortsgruppe in Erding erstmalig ein Hallenfußballturnier organisiert. Die Herren kamen unter ferner liefen ins Ziel, aber die Damen belegten nach tollem Kampf den 1. Platz. Ein mobiles Geschirrset mit 3000 Teilen sowie einer Geschirrspülmaschine konnte die Ortsgruppe im Juni 1992 vom Arbeitskreis Umwelt (AKU) der CSU als Geschenk im Wert von ca. DM 10.000,- in Empfang nehmen.

Seitdem leistet die Wasserwacht auch auf diesem Gebiet Umweltschutzarbeit und kann dabei ein paar Mark zusätzliche Einnahmen verbuchen. Das schöne Badewetter wäre einem Mann im August 1992 fast zum Verhängnis geworden. Mitten im Weiher verließen ihn die Kräfte und er konnte nur mit Mühe von der Besatzung eines Paddelbootes vor dem Untergehen bewahrt werden.

Die Einweihung der Wachstation am Baggerweiher, dem Erholungsgebiet Erding Nord

Als er in das Rettungsboot der Wasserwacht gezogen wurde, waren bereits keine Vitalfunktionen mehr erkennbar. Die sofort eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen hatten Erfolg und der Verunfallte konnte dem Rettungsdienst in stabilem Zustand übergeben werden.

Das Jahr 1993 begann ereignisreich. Im Januar bricht am Kronthaler Weiher eine Frau ins Eis ein. Jedoch kann sie sich selbständig befreien. Die Wasserwacht sicherte die Einbruchstelle.

Im Februar 1993 eine Suche nach einer selbstmordgefährdeten Frau in der Sempt. Leider konnte diese nicht gefunden werden, jedoch erfuhren wir später aus der Presse, dass sie in München in den Tod gesprungen war.

Im März 1993 standen Neuwahlen auf dem Programm. Ein neuerlicher Generationwechsel vollzieht sich in der Wasserwacht. Auch Manfred Herzog tritt in die zweite Reihe.

Alois Schießl, bereits seit 12 Jahren aktiv in der Ortsgruppe als Taucher, Bootsführer, Ausbilder für Schwimmen und technisch versierte Stütze der OG Erding, übernimmt das Ruder. Neue Leute, neue Ideen! Ein Prinzip, das der Wasserwacht Erding seit jeher Erfolg gebracht hat.

Ortsgruppenleiter: Alois Schießl
stellv. OG-Leiter: Manfred Herzog
Technischer Leiter: Rudolf Wiesbeck
stellv. Technischer Leiter: Thomas Metz
Jugendwart: Andreas Lindner
Kassenwart: Robert Blattenberger
Schriftführerin: Gabriele Selmair
WW-Arzt: Dr. Johannes Schollen

Die neue Vorstandschaft hatte eine gewisse Schonzeit. Neben den Standardveranstaltungen wie Wachdienst, Sommerfest, Aktion Ferienspaß und Tombola waren keine größeren Aufgaben zu bewältigen. 1994 begann mit Dienst nach Vorschrift.

Übungen , Training und Ausbildung beherrschte den.suchten im Echinger Weiher eine vermisste Person. Diese konnte, trotz guter überregionaler Zusammenarbeit und intensiver Suche, nicht gefunden werden. Allerdings ging bei der Polizei auch keine Vermisstmeldung ein, so dass es sich bei diesem Alarm wohl um eine Fehlmeldung gehandelt haben dürfte.

Ebenfalls im Juli 1995 wurden die Taucher im Erdinger Schwimmbad benötigt. Nachdem im Nichtschwimmerbecken serienweise Schnittverletzungen passierten, musste die Ursache hierfür ergründet und beseitigt werden.

Siegfried Ippisch, Alois Schießl und Edgar Scholz entdeckten ungenügend nachgearbeitete Schnittkanten an den eben neu eingebauten Zustromöffnungen als Ursache. Unter Wasser wurden diese an Ort und Stelle mit Raspeln nachbehandelt und entschärft.

In Partnerschaft zur Stadt Erding steht die Wasserwacht zu solchen Einsätzen immer kostenlos zur Verfügung. Tragisch endet ein Alarm im August 95. Eine 39- jährige Frau ertrinkt in einem Moosinninger Kiesweiher vor den Augen ihres Ehemannes.

Trotz sofortigen Alarmes für die Wasserwacht konnte die 39-jährige durch den Taucher Dietmar Sertl nur noch tot geborgen werden. Ebenfalls nur noch tot geborgen wurde eine britische Staatsbürgerin, welche im Dezember 1995 bei einem Spaziergang in den Isarauen ausrutscht und in den Fluten versinkt.

Ende des Jahres erhält die Ortsgruppe einen neuen Eisrettungsschlitten, welcher während der Wintersaison in der Wachstation am Kronthaler Weiher stationiert wird. 1996 bestand dieser Eisrettungsschlitten bereits seine erste Bewährungsprobe.

Bei der im Januar durchgeführten Eistauchübung am Baggerweiher Alltag. Erstmalig wurde im Juni die Schwimmstrecke des Erdinger Stadt-Triathlon überwacht. Ungewohntes Parkett im August 1994. Am Kronthaler Weiher waren sich zwei Jugendliche in die Haare gekommen.

Die traurigen Helden wurden von der Wasserwacht versorgt und anschließend dem Rettungsdienst übergeben. Zum Jahresabschluss führte man im November 1994 noch eine gemeinsame Übung mit der FFW Finsing im Isar Kanal durch. Aber das Jahr war noch nicht zu Ende.

Völlig unerwartet verstirbt der beliebte technische Leiter Rudolf Wiesbeck im Alter von 31 Jahren. Schockiert blickten seine Kameraden auf die Lücke, die sein Tod gerissen hat. Doch das Leben geht weiter und so wurden wir bereits im Februar 1995 zu einem Einsatz gerufen, bei welchem zwei kleine Kinder in den Isar Kanal bei Langenpreising gestürzt waren.

Gottlob konnten sie sich selber retten, so dass ein Eingreifen von unserer Seite nicht erforderlich wurde. Im Mai 95 ein Einsatz mit ganz anderen Hintergründen. Auf dem Siglfinger Weiher trieben Ölflecken. Trotz intensiver Suche konnte die Ölquelle nicht entdeckt werden. Vermutlich hatte ein Umweltsünder, leider wie so oft, sich einfach seines Altöls entledigt.

Ohne Rücksicht auf Verluste trägt die Umwelt, also wir alle, den Schaden. Auch im Juni 1995 war trotz geringer Wachleistung, weil es sehr viel geregnet hatte, ein Einsatz erforderlich.

Hochwasser im Dorfener Stadtgebiet. Mit einem Einsatzzug machten wir uns auf den Weg, unseren Kameraden in Dorfen beizustehen. Im Juli 1995 kam es zu einem der seltenen Großeinsätze.

Wasserwachten aus drei Landkreisen mit ihren Schnelleinsatzgruppen diente er sowohl zum Materialtransport über das Eis als auch zur Absicherung der Leinenführer, welche sich am Rande des Eislochs aufhalten müssen. Ein Grund zur Freude war die Zuteilung eines 4,50m langen und mit einem 50PS-Außenbordmotor ausgestatteten Aluminiumrettungsbootes für den Kronthaler Weiher.

In mühevoller Kleinarbeit wurde das Boot von Andreas Krinner und Thomas Metz einsatzklar gebastelt. Am 15. Juni wurde es, im Gedenken an unseren 1994 verstorbenen Technischen Leiter, im Rahmen einer festlichen Feier auf den Namen Rudi getauft und seiner Bestimmung übergeben. Trotz vielfältiger weiterer Einsätze und Aufgaben für die Ortsgruppe waren in diesem Jahr keine weiteren spektakulären Aktionen zu verzeichnen.

Im Januar 1997 prägt Kontinuität die Neuwahlen in der Ortsgruppe. Die Aktiven sind mit ihrer Führungscrew zufrieden. Nur innerhalb der Vorstandschaft gibt es Verschiebungen. Thomas Metz übernimmt das Amt, das er seit 1994 kommissarisch führte und Siegfried Ippisch wurde sein Stellvertreter.

Ortsgruppenleiter: Alois Schießl
stellv. OG-Leiter: Robert Blattenberger
Technischer Leiter: Thomas Metz stellv.
Technischer Leiter: Siegfried Ippisch
Kassenwart: Peter Diebels Jugendwart: Harald Fiensch
stellv. Jugendwart, Schriftführerin: Kerstin Stratmann
Wasserwachtarzt: Dr. Johannes Schollen

Über zu wenig Arbeit konnten sich die Aktiven nicht beklagen. Im Januar wurde die jährliche Eistauchübung durchgeführt.

Im März 1997 wurde ein Ertrunkener aus der Sempt geborgen, sowie in Zusammenarbeit mit den Freiwilligen Feuerwehren ein unter einem Arbeitsfloß eingeklemmter Arbeiter gerettet.

Im Mai 1997 präsentierte man sich im Rahmen eines Tages der offenen Tür im Kreisverband Erding. Im Juni 1997 hatten zwei Mädchen Glück im Unglück.

Ihnen schwanden auf dem Rückweg zum rettenden Ufer des Baggerweihers die Kräfte. Zwei junge Wasserwachtlerinnen, Nadine Baumbach und Nadine Fecht griffen beherzt ein und konnten so Schlimmes verhindern.

Ein weiteres Highlight für die Ortsgruppe Erding war die Zuteilung eines neuen Einsatzfahrzeuges.

Finanziert aus den Mitteln des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes wurde es im November 1997 ausgeliefert.

Die Planungen begannen sofort. Doch es sollte noch einiges Wasser die Sempt hinunterströmen, bis es einsatzklar gemeldet werden konnte.

Im August 1997 wurde eine Selbstmörderin tot aus einem Löschweiher bei Landersdorf geborgen.

Eistauchen mit Eisrettungsschlitten

1998 war ein sehr ruhiges Einsatzjahr. Die meisten Schlagzeilen wurden durch die Aufgabe des Wachplatzes am Notzinger Weiher geliefert.

Alois Schießl hatte bei der Jahreshauptversammlung im Frühjahr den Beschluss seiner Vorstandschaft verkündet, das Gewässer nicht länger zu bewachen.

Aufgrund immer geringer werdender Besucherzahlen hatte sich die Wasserwacht zu diesem Schritt entschlossen.

Die veränderten Vorlieben der Badegäste machten eine Konzentration auf den Baggerweiher in Erding erforderlich. Doch man hatte noch andere Aufgaben.

Das neue Fahrzeug musste wieder auf die Bedürfnisse der Schnelleinsatzgruppe abgestimmt werden.

Der komplette Innenausbau und die Installation der zusätzlichen Fahrzeugelektrik erfolgte in bewährter Eigenleistung.

Schreiner, Radiotechniker, Metallfacharbeiter und Kfz-Meister arbeiteten Hand in Hand. Insgesamt wurden über 500 Stunden von den Kameraden Alois Schießl, Andy Lindner, Edgar Scholz, Jürgen Springer, Thomas Metz, Rudi Baumann, Robert Blattenberger, Harald Fiensch, Andreas Rainer, Jakob Nein und Martin Maier geleistet.

Der Ortsgruppe stand damit wieder ein funktionales Fahrzeug zur Verfügung. Ende März 1998 waren die Arbeiten abgeschlossen. Der Mercedes Sprinter mit dem Funkrufnamen Rot-Kreuz-Erding 42/91/2 wurde durch Pfarrer Koller gesegnet und offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Bemerkenswert ist wohl, dass es für Kamerad Rudi Baumann seit 1970 bereits das fünfte Fahrzeug war, an welchem er sein Fachwissen im Funkwesen einbrachte.

Im September 98 nahmen ca. 15 Aktive der Wasserwacht als Einsatzkräfte am bisher größten geprobten zivilen Großschadensereignis teil. Ein Flugzeug hatte auf dem Erdinger Militärflughafen eine Bruchlandung gemacht und über 90, realistisch geschminkte Verletzte sollten innerhalb kürzester Zeit versorgt werden.

Hier wurde die Zusammenarbeit der Rot-Kreuz-Gemeinschaften untereinander, sowie die Abstimmung mit anderen Hilfsorganisationen realitätsnah erprobt.

Der Herbst 1998 wurde bereits durch das Festjahr 1999 geprägt. Ein Festausschuss unter der Leitung von Alois Schießl konstituierte sich bereits im Sommer und nahm intensive Beratungen auf. Doch das Jahr war noch nicht zu Ende.

Das Christkind war es wohl nicht, das am zweiten Weihnachtsfeiertag 1998 300 Liter Öl in den Mittleren-Isar-Kanal bei Aufkirchen kippte. Vielmehr erforderte ein technischer Defekt den Umweltschutzgroßeinsatz von Freiwilligen Feuerwehren und Wasserwacht, damit eine größere Katastrophe abgewendet werden konnte.

Der gesamte Fahrzeugpark der Wasserwacht Ortsgruppe Erding

Der 1. Januar 1999 bildete bereits den Auftakt zu unserem Jubeljahr.

Mit einem erstmalig durchgeführten Fackelschwimmen in der Sempt im Stadtgebiet in Erding, organisiert durch Thomas Metz und Siegfried Ippisch, an dem ca. 60 Teilnehmer verschiedener Wasserwachtortsgruppen, der DLRG, der FFW und des TSC Baracuda teilnahmen, gaben wir den Startschuß für unsere 50-Jahr Feier.

Sicherlich hätte es noch viele andere, hochinteressante Beispiele gegeben, die in dieser Chronik erwähnenswert gewesen wären.

Das Autorenteam erhebt daher auch keinen echten Anspruch auf Vollständigkeit.

Alle Mitglieder der Wasserwacht-Ortsgruppe Erding, Aktive, vormals Aktive und unsere Förderer und Gönner haben sie zu dem gemacht, was sie heute ist:

Eine höchst leistungsbereite und leistungswillige Gemeinschaft von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, welche ihre persönlichen Interessen mit viel Idealismus und manchmal auch Entbehrungen dem Gemeinwohl unterordnen.

Redaktionsteam: Alois Schießl, Burkhard Köppen, Manfred Schleier, Walter Rauscher und Rudi Baumann