Vorsicht auf dem Eis !

Viele zieht es wieder aufs Eis und die zugefrorenen Weiher und Seen, auf Schlittschuhen, mit dem Schlitten oder zum Familienspaziergang mit Kinderwagen.

Doch Misstrauen ist angesagt, denn die zentrale Frage lautet immer:  Ist das Eis auch dick genug ? Trägt es mich wirklich ? Was, wenn ich einbreche ?

Siehe auch Artikel aus wasserwacht.de


Weil Jahr für Jahr Menschen verunglücken, macht sich unsere Wasserrettungsschnelleinsatzgruppe (SEG) auch in dieser Saison erneut fit mit Eisrettungsübungen.

Die Stadt Erding stellte im Naherholungsgebiet Erding Nord (Kronthaler Weiher) für die Rettung Eingebrochener stabile Holzleitern von ca. 3 Meter Länge und die fest installierten Rettungsringstationen zur Verfügung.

Darüber hinaus legen wir für Notfälle weitere Hilfsmittel an der Wasserwachtwachstation  aus, die als Rettungsmittel verwendet werden können (z.B.: Feststoffschwimmwesten).
Mit diesen einfachen Gegenständen könnten Eingebrochene sofort geholfen werden, bitte dabei aber die Eigensicherung nicht außer Acht lassen !

Die  Hilfsmittel bitte nicht zerstören oder damit spielen. Sie könnten Leben retten und sind nur für den Notfall vorgesehen!

Ab wann die Eisdecke als ausreichend dick gelten kann, dafür gibt es keine Garantie, sondern lediglich vorsichtige Einschätzungen, so heißt es
ab 8 cm – für Belastung mit Personen und Personengruppen, ab 12 – cm für Schlittenfahrzeuge, ab 18 cm für Pkw und sonstige Fahrzeuge.

Die Angaben beziehen sich auf das so genannte Kerneis, welches die Schicht am Anfang (direkt an der Wasseroberfläche) einer Eisdecke bildet.

Nur das Kerneis gibt Aufschluss auf die Tragfähigkeit eines Eises.
Das Kerneis muss trotz der oben genannten cm-Angaben über eine kompakte dicke Fläche ohne Sprünge verfügen und es darf keine Einrisse oder Einschlüsse geben.

Bitte beachten Sie ! Sie bewegen sich stets “auf eigene Gefahr” auf dem Eis ! Die Gemeinde, die große Kreisstadt oder der Landkreis übernehmen keine Haftung !
Auch durch die Anwesenheit einer “Eiswache” der Wasserwacht kann nicht abgleitet werden, dass das Eis trägt !

Denn Eis ist tückisch. Aufgrund der unterschiedlichen Einflüsse kann es unterschiedliche Dicken aufweisen.

Bodenwärme, Temperaturschwankungen, Strömungen, Zuflüsse warmer Quellen oder evtl. Industriegewässer, Gasbläschen aus schlammigem Grund, Lufteinschlüsse, dünn überfrorene Fischereilöcher und Einbruchstellen sowie Eisrisse können mögliche Ursachen dafür sein. Dadurch kann eine Eisfläche auch bei geringer Belastung bersten.

Und: Schnee bedeckte Eisflächen sind meist dünner als schneefreie, denn Schnee ist ein sehr schlechter Leiter.

Auch nasse Stellen sollten Sie meiden und gebührenden Abstand zu nicht zugefrorenen Stellen halten.

 

Was ist erforderlich um eine Eisfläche vorläufig freizugeben?
Einen ersten Anhaltspunkt über die Beschaffenheit der Eisdecke liefert die Klopfprobe. Wenn das Eis bei einem Hammerschlag “dröhnt”, so kann es als “gesund” beurteilt werden.
Offizielle Freigaben der Eisfläche sind aus vorgenannten Gründen ein sehr schwieriges Unterfangen und werden deshalb kaum noch ausgesprochen.

An großen Seen in den Bergen z.B. wird das Eis durch eine Kommission von Fachleuten (u.a. Kommune, Landkreis, Wasserwacht, Naturschutz, Meteorologen, ähnlich der Lawinenkommission) begutachtet und beurteilt.

Die Probemessungen werden bei kleineren Seen alle 100 Meter und bei größeren Seen (ab ca. 5 km) alle 500 Meter mittels Punktkernbohrungen oder kleineren Eiseinschnitten geprüft. Aussagekräftig ist hier auch nur das Kerneis mit der geringsten Dicke. Sollten die Fachleute bei dem oben genannten Prozedere zu einer positiven Entscheidung kommen, so spielen zudem noch andere Faktoren wie z.B. die weiteren Witterungseinflüsse, warme Quellen und Zuflüsse, Frequentierung der Fläche etc. und natürlich auch die weit reichenden Rechtsfolgen eine entscheidende Rolle, ob eine Freigabe der Eisfläche für sinnvoll erachtet wird.

 

Was tun, wenn man selbst einbricht?

Die größte Gefahr ist die starke Unterkühlung, die sehr schnell sehr stark schwächt und das Reaktionsvermögen lahm legt.

Das eiskalte Wasser verursacht  zuerst heftige Schmerzen, Arme und Beine werden blitzschnell steif und später ohne Gefühl. Dazu kommt der enorme Abwärtstrieb durch schwere Winterkleidung, Schlittschuhe oder dicke Stiefel an den Füßen -mit welchen sich sehr schwer Schwimmen lässt- all dies kann in wenigen Minuten zum Ertrinkungstod führen. Sie dürfen also nicht in Panik geraten, sondern müssen blitzartig alle Energie mobilisieren.

Je nach Beschaffenheit des Eises bieten sich zwei Möglichkeiten: Ist das Eis halbwegs tragfähig, versuchen Sie sich flach auf das Eis zu schieben und robben Sie dann über das Eis zum Ufer.

Ist das Eis nicht stabil genug, versuchen Sie das Eis mit den Fäusten oder den Ellbogen stückweise zu zerbrechen und bahnen Sie sich so einen Weg zum Ufer oder zu tragfähigerem Eis. Dies ist zwar leicht gesagt, jedoch sehr sehr Kräfte raubend, weiß Robert Blattenberger, Technischer Leiter der Erdinger Wasserwacht.

Was tun, wenn Sie jemand retten wollen?

Selbst in höchster Eile nicht ignorieren: Das Eis wird auch unter Ihnen nachgeben! Sie müssen am Ufer bleiben und Hilfsmittel einsetzen. Also, Brett, Stange, Leiter, Gartentisch oder -bank aus Holz, Tür, Leine oder Seil, Teile eines Holzzaunes, Ast oder Strauchwerk zum Eingebrochen reichen, schieben oder werfen. Er oder Sie muss versuchen sich daran festzuklammern, so dass Sie ihn heraus ziehen können, so Siegfried Ippisch, Chef der Erdinger Wasserwacht. Ippisch weiter: Alarmieren Sie in jedem Fall immer sofort auch Rettungskräfte wie z.B. die Wasserwacht, denn diese Eisrettungsfachleute könnten Ihnen dann helfen, wenn Sie trotz Vorsichtsmaßnahmen selbst eingebrochen sind.

Rettung mit einer Holzleiter

Kann sich der Verunglückte nicht mehr festklammern, müssen Sie ihm übers Eis zu Hilfe kommen. Nie stehend der Einbruchstelle nähern, Sie müssen Ihr Gewicht verteilen, indem Sie sich liegend, möglichst mit ausgebreiteten Armen, zum Eisloch vorarbeiten. Von Vorteil wäre: Wenn Sie sich auf einer großflächigen Unterlage (Türe, breites Brett) liegend an den Eingebrochenen heranschieben und sich, wenn möglich, mit einem Seil sichern, mit dem Sie dann den Verunglückten herausziehen können. An der Einbruchstelle Brett, Leiter oder ähnliches über das Loch schieben. Das erhöht die Tragfähigkeit des Eises und bietet dem Eingebrochenen die Möglichkeit, sich selbst daran herauszuhangeln, erklärt Martin Gräbe, Wasserretterausbilder der Erdinger Wasserwacht.

Ist der Eingebrochene unter dem Rand des Eisloches verschwunden, wird es sehr viel schwieriger.

Denn nun muss getaucht werden. Wichtig: In voller Kleidung (ohne Schuhe) ins Wasser, um die Unterkühlung zu minimieren (das Wasser ist ein sehr viel besserer Wärmeleiter als die Luft). Eine Sicherung durch  eine kräftige Leine, die von einem zweiten Helfer gehalten wird ist Voraussetzung in dieser Situation, um weiter zu helfen. Die Leine darf sich nicht am scharfen Eisrand durchscheuern.

Ein Laie darf beim nachtauchen nicht länger als  20 Sekunden unterm Eis bleiben und muss dann -auch gegen seinen Willen-  herausgezogen werden. Dann muss ein anderer Hilfewilliger ran. Nur Rettungstaucher mit Gerät und Taucheranzug können länger suchen, da diese zum einen Atemluft in der Pressluftflasche mit sich führen und zum anderen bietet ihnen der Taucheranzug für eine bestimmte Zeit zuverlässig Schutz gegen das Eiswasser. Ist der Verunglückte unter eine dünne Eisdecke geraten (1-4 cm), z.B. durch  einen Sturz von einer Brücke oder einem Steg, so kann der Retter auch versuchen, die Eisdecke auf einer möglichst großen Fläche zu zertrümmern, um  dem Untergegangenen die Möglichkeit zum Auftauchen zu verschaffen, erläutert Siegfried Ippisch weiter.

In jedem Fall zählt, so Ippisch:

Bei Eisunfall nicht zögern – sofort Hilfe holen und im Wahrsten Sinne des Wortes COOL bleiben!

Ihre schnelle Reaktion kann Leben retten:

Beobachten Sie, dass jemand auf dem Eis einbricht, zögern Sie nicht, sondern rufen Sie sofort die Eisretter!

Die Wasserrettungszüge sind mit ihren mobilen Einsatzbooten und mobilen Eisrettungsgeräten über die Integrierte Leitstelle (ILS) des Landkreises Erding mittels Funkmeldeempfänger nach dem Motto: “Tag und Nacht Wasserwacht” rund um die Uhr für Notfälle unter der zentralen Telefonnummern: 112  sowie selbstverständlich auch über die Notrufnummer 110 der Polizei erreichbar.

Trotz aller Aufregung sollten Sie sich dabei auf die “fünf Ws” konzentrieren:

Was ist passiert?
Wo ist es passiert?
Wie viele Personen sind betroffen?
Welche Verletzungen/ Erkrankungen sind vorhanden?
Wer meldet?

Warten Sie auch in jedem Fall auf Rückfragen, nicht gleich wieder einhängen die Notrufstellen oder die Polizei beenden das Gespräch, sofern sie alle Informationen haben.

 

Zusätzliche Informationen wie die Eisregeln der Wasserwacht Bayern (Externer Link), ein Blick mit den Webcams auf den Kronthaler Weiher oder auch unsere Winter-Aktionen finden Sie immer aktuell auf unserer Webseite.

Siehe auch einen aktuellen Bericht im Merkur online.